4 Tote, 1 wegen Süßigkeiten entlassener Arzt & 198 anklagende Menschenrechtsorganisationen

Die beiden palästinensische Brüder Jawad & Thafer Abdul Rahman Rimawi, 22 und 21 Jahre alt, wurden heute im Morgengrauen von israelischen Besatzungstruppen im Dorf Kufr Ein nahe Ramallah im zentralen Westjordanland erschossen.

Jawad, ein frischgebackener Absolvent der Universität Birzeit, wurde in das Becken geschossen, sein Bruder Thafer, ein Ingenieurstudent im vierten Studienjahr, in die Brust. Nach ihrer Tötung wurde in Ramallah ein Generalstreik ausgerufen. Tausende Studierende der Bir Zeit-Universität nahmen heute an der Beerdigung ihrer beiden Kommilitonen teil.

Jawad & Thafer Abdul Rahman Rimawi, 22 und 21 Jahre alt

Eine israelische Besatzungssoldatin (20) wurde heute von einem Auto im Westjordanland schwer verwundet, nachdem ein Palästinenser sie absichtlich angefahren haben soll. Der Vorfall ereignete sich nahe der illegalen Siedlung Migron nördlich von Jerusalem. Die Armee weigert sich bisher, dazugehöriges Filmmaterial von Überwachungskameras zu veröffentlichen. Nach Krankenhausangaben ist der Zustand der verletzten Besatzerin stabil. Der Angreifer, Rani Mamoun Fayz Abu Ali (45) wurde am Ort des Vorfalls erschossen. Er hinterlässt 5 Kinder.

Ein vierter Palästinenser, Mufeed Mohamed Ikhlil (44), wurde gestern von Soldat:innen bei einem Überfall der isralischen Armee in der Stadt Beit Ummar am späten Montagaben durch einen Kopfschuss getötet. Örtliche Quellen berichteten, dass es zu Zusammenstößen zwischen palästinensischen Einwohner:innen & israelischen Besatzungssoldat:innen kam, als letztere in die Stadt eindrangen. Insgesamt 8 weitere Palästinenser:innen wurden durch scharfe Munition von den Soldat:innen verletzt: Die Schüsse trafen einen in die Brust, die anderen in die oberen & unteren Gliedmaßen.

Seit Anfang 2022 haben israelischen Soldat:innen & Siedler mindestens 206 Palästinenser:innen im besetzten Westjordanland, in Ostjerusalem & im Gazastreifen getötet, darunter 51 Kinder sowie eine Journalistin & ein Arzt, die während ihrer Arbeit getötet wurden.

Mufeed Mohamed Ikhlil (44)

Ein palästinensische Arzt mit israelischer Staatsbürgerschaft wurde am Sonntag vom israelischen Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem entlassen, weil er einem verwundeten 16-jährigen palästinensischen Jungen in israelischem Polizeigewahrsam Süßigkeiten gegeben hatte.

Der Herz-Thorax-Arzt Ahmad Mahajna gehörte zu dem medizinischen Personal, das in dem Krankenhaus eine Feier veranstaltete & übrig gebliebene Erfrischungen an alle Patient:innen des Krankenhauses verteilte. Unter diesen befand sich auch der 16-jährige Palästinenser Ahmad Abu Qutaish, dem Mahajna & zwei weitere Krankenhausmitarbeiter:innen einen Teil der Snacks gaben. Der Junge wurde wegen Schusswunden behandelt, die ihm israelische Besatzungskräfte zufügten, nachdem er einen Siedler in Jerusalem mit einem Messer angegriffen haben soll.

Ahmad Mahajna

Die Untersuchung gegen Mahajna wurde Ende Oktober eingeleitet, nachdem sich Beamt:innen, die den Teenager bewachten, bei der Krankenhausleitung beschwert hatten. Das Krankenhaus bezeichnete ihn daraufhin als “Terroristensympathisanten” & lud ihn zu einer Anhörung vor. Die in Tel Aviv ansässige Organisation Physicians for Human Rights (PHR) erklärte, die Kündigung sei das Ergebnis einer “rassistischen, nationalistischen & populistischen Hexenjagd”. PHR fügte hinzu: “Das Verhalten des Krankenhauses ist ein niederträchtiger Versuch, diejenigen zu besänftigen, die das Blut des inhaftierten Patienten & des ihn betreuenden Arztes fordern.” Unterstützungsschreiben von Patient:innen & Kolleginnen, die ihn alle als fürsorglichen und engagierten Arzt beschreiben, haben sich als nutzlos erwiesen.

Zwei Tage bevor Mahajna dem palästinensischen Jungen Süßigkeiten schenkte, äußerte ein hochrangiger israelischer Mediziner seine Angst vor der “arabischen Gebärmutter” & schlug vor, palästinensische Mütter, die in Israel fünf Kinder zur Welt bringen, mit Geldstrafen zu belegen, um die palästinensische Geburtenrate im Land zu begrenzen. Trotz Beschwerden behielt der Mediziner seinen Leitungsposten am Soroka Medical Center in Beersheba bei.

198 palästinensische sowie internationale Organisationen, darunter Human Rights Watch & Jewish Voice for Peace, haben den Internationalen Strafgerichtshof dazu aufgerufen, Ermittlungen wegen möglicher Kriegsverbrechen der israelischen Armee gegen palästinensische Zivilist:innen im Gazastreifen während der 3-tägigen Bombardierung der abgeriegelten Küstenenklave im August 2022 aufzunehmen. Das vollständige Schreiben an den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, Karim Asad Ahmad Khan, findet sich hier:

https://www.alhaq.org/cached_uploads/download/2022/11/28/letter-to-icc-prosecutor-mr-karim-a-a-khan-kc-23-november-2022-1669624469.pdf

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