4 Beerdigungen

4 getötete Palästinenser: Einer noch ein Kind, einer von einem israelischen Polizisten hingerichtet, einer seinen Wunden erlegen, die Soldat:innen ihm bei einem Protest zu Beginn des Monats zufügten. Ein weiteres Kind wurde bei Protest durch scharfe Munition verletzt. Über 180 Überfälle auf palästinensische Ortschaften durch israelische Armee in dieser Woche, dabei 112 Palästinenser willkürlich verhaftet, darunter 22 Kinder. Diese Woche wurden 6 palästinensische Wohnhäuser im Westjordanland von der Besatung zerstört, wodurch insgesamt 7 Familien, darunter 15 Kinder & 10 Frauen, vertrieben wurden. Auch innerhalb Israels wurden 2 palästinensische Häuser im Rahmen einer Vertreibungskampagne im Naqab (Wüste Negev) zerstört. Erneut beschossen israelische Soldat:innen Zivilist:innen im Gazastreifen. Das & mehr: Was in der Woche vom 03.-09.03.2022 im historischen Palästina passierte:

Getötet

Am Sonntag haben israelische Besatzungskräfte in der Altstadt von Jerusalem den erst 19-jährigen Palästinenser Kareem Jamal Qawasmi erschossen, nachdem er in der Nähe des Bab Huta-Tors, das zur Al Aqsa-Moschee führt, 2 israelische Polizisten angegriffen & leicht verletzt haben soll. Der Jugendliche wurde blutend am Boden liegen gelassen, bis er laut Zeugenaussagen an seinen schweren Wunden starb.

Am Abend des selben Sonntags überfielen israelische Besatzungssoldat:innen äußert gewaltsam den Jerusalemer Vorort Abu Dis. Es kam in Folge dessen zu Konfrontationen zwischen israelischen Soldat:innen & palästinensischen Zivilisten. Gruppen palästinensischer junger Männer warf Steine & Molotow-Cocktails gegen die Besatzer, daraufhin feuerten die Soldat:innen heftig mit scharfer Munition, gummiumantelten Stahlgeschossen & Tränengaskanistern auf die Steinewerfer. Dabei töteten die Besatzer den 16-jährigen Palästinenser Yamin Jaffal per Kopfschuss. Den Rettungskräften wurde der Zugang zu dem Kind verwehrt, stattdessen griffen Soldat:innen die herannahenden Sanitäter:innen mit Tränengaskanistern an.

Yamin Jaffal

Am nächsten Tag, Montag, den 07.03.2022, töteten israelische Besatzungskräfte erneut in Jerusalem den Palästinenser Abed Al Rahman Jamal Qasem (22) — seine Tötung kommt einer außergerichtlichen Hinrichtung gleich. Der junge Mann aus dem besetzten Jifna verletzte mit einem Messer 2 israelische Polizisten leicht. Daraufhin eröffnete ein israelischer Polizeibeamter sofort das Feuer auf ihn, wodurch er von mehreren scharfen Kugeln getroffen wurde & auf die Treppe des Marktes stürzte. Trotz der Verwundung des Palästinensers, von dem überhaupt keine weitere Gefahr mehr ausgehen konnte, feuerte der Beamte über ihn gebeugt aus nächster Nähe weiterhin Schüsse auf ihn ab. Eine Filmaufnahme dokumentiert, wie der israelische Polizist den Angreifer beschimpft, ihn lautstark anschreit und dabei — nachdem dieser schon verwundet zu Boden gefallen war — eine scharfe Kugel aus seiner Pistole auf Qasem abfeuert: aus weniger als einem Meter Entfernung. Zum Tatort eilende Besatzungskräfte leisteten nur den leicht verwundeten Polizisten erste Hilfe, während der schwerverletzte Palästinenser auf der Treppe liegen blieb. Später hinderten sie Sanitäter daran, ihn zu erreichen & ihm zu helfen. Qasem verblutete, bevor seine Leiche abtransportiert & in Gewahrsam genommen wurde.

Am gestrigen 09. März erlag der Palästinenser Ahmad Hikmat Saif (23) aus dem besetzten Dorf Burqa nahe Nablus seinen Verletzungen, die er am 01. März 2022 bei der gewaltsamen Niederschlagung einer Demonstration durch Besatzungssoldat:innen erlitten hatte. Es handelte sich um einen Protest am Dorfeingang zur Unterstützung der palästinensischen Gefangenen in den israelischen Besatzungsgefängnissen. Während der Beerdigung des Verstorbenen kam es zu einem Protest der Dorfbewohner:innen gegen die Besatzungsgewalt: auch hier griffen die Soldat:innen die Dorfbewohner:innen an. Dabei wurde ein Kind von scharfer Munition in die Hand getroffen.

Im Jahr 2022 wurden durch die israelischen Besatzungskräfte bisher 14 Palästinenser, darunter 3 Kinder, getötet.

Ahmad Hikmat Saif (23)

Westjordanland

Alltag: Zwischen dem 03. & 09.03.2022 fiel die israelische Besatzungsarmee 180 Mal in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich des besetzten Jerusalem, ein. Diese Übergriffe beinhalteten erneut willkürliche Razzien in zivilen Wohnhäusern, Verhaftungen sowie Schießereien der Soldat:innen, die Angst unter der Zivilbevölkerung hervorriefen. Während der Übergriffe in dieser Woche wurden 112 Palästinenser willkürlich verhaftet, darunter 22 Kinder & 1 Frau.

Im Jahr 2022 ist die israelische bisher 1.381 Mal gewaltsam in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich Jerusalem, eingefallen, wobei 864 Palästinenser festgenommen wurden, darunter 115 Kinder & 9 Frauen.

Jede Form von Protest gegen die völkerrechtswidrige Besatzung, Landraub & Vertreibung wurde von der Besatzung mit massiver Gewalt beantwortet, es kam zu zahlreichen Verletzten.

https://twitter.com/QudsNen/status/1500489727270658052

Systematische Vertreibung der Palästinenser:innen zu Gunsten von Siedler:innen: 
Im gesamten Westjordanland wurden diese Woche wieder palästinensische Familienhäuser durch die Besatzung abgerissen & palästinensisches Farmland sowie wirtschaftliche Einrichtungen gezielt durch die Besatzung zerstört. Weitere Palästinenser:innen haben so erneut ihr Zuhause sowie ihre wirtschaftliche Grundlage oder zumindest einen signifikanten Teil dieser verloren. Die UN bezeichnet diese Praxis als Kriegsverbrechen, Amnesty International, Human Rights Watch & weitere Menschenrechtsorganisationen zeigen, dass es sich um eine Praxis israelischer Apartheidspolitik handelt, um die Demographie im besetzten Westjordanland zu Gunsten jüdisch-israelischer Siedler:innen zu verschieben.

Seit Anfang des Jahres 2022 hat die israelische Besatzung 40 Familien im Westjordanland obdachlos gemacht. Das sind insgesamt 244 Personen, darunter 47 Frauen & 113 Kinder. Dies war das Ergebnis des Abrisses von 50 Häusern & 4 Wohnzelten durch die israelische Armee. Die Besatzung hat außerdem 29 weitere zivile Objekte zerstört & 28 Abriss-, Bauverbots- & Evakuierungsbescheide erlassen.

Diese Woche wurden 6 palästinensische Wohnhäuser zerstört, wodurch insgesamt 7 Familien, bestehend aus 33 Personen, darunter 15 Kinder & 10 Frauen, im Westjordanland vertrieben:

Am 4. März wurde ein Palästinenser gezwungen, sein 90 m² großes Haus im Dorf Beit Hanina im Norden des besetzten Jerusalem selbst abzureißen, wodurch er & seine Familie vertrieben wurden. Am 7. März wurde ebenfalls ein Palästinenser Beit Hanina gezwungen sein Haus selbst abzureißen. Infolgedessen wurde seine fünfköpfige Familie, darunter seine Frau & drei Kinder, obdachlos. Dadurch, dass die Besatzung den illegitimen Abriss der Häuser den betroffenen Familien auch noch in Rechnung stellt, sehen sich viele gezwungen, ihre eigenhändig errichteten Häuser selber abzureißen, um hohen Kosten zu entgehen, die den endgültigen finanziellen Ruin bedeuten würden.

Im Rahmen der Politik der Kollektivbestrafung (nach internationalem Recht sind Kollektivstrafen verboten) wurden die Häuser von zwei palästinensischen Häftlingen in israelischen Besatzungsgefängnissen in die Luft gesprengt, wodurch 3 Familien mit 13 Personen, darunter 3 Kinder, vertrieben wurden.

Am 8. März wurde von Besatzungskräften im Osten des besetzten Al Khalil (Hebron) ein Haus abgerissen, wodurch 2 Familien mit 11 Personen, darunter 7 Kinder, vertrieben wurden. Einen Tag später wurde von der Besatzung im Flüchtlingslager Shufat nahe dem besetzten Jerusalem ein im Bau befindliches Haus (150 m²) abgerissen.

Übrigens: Auch innerhalb Israels werden Palästinenser:innen systematisch vertrieben, obwohl sie hier die israelische Staatsangehörigkeit besitzen, also arabische Staatsbürger:innen Israels sind. So wurden diese Woche 2 Häuser im Naqab (Wüste Negev), Südisrael, zerstört. Israel erkennt die Dörfer & Städte — älter als Israel selbst — im Naqab nicht an & versucht seit Jahrzehnten, die Palästinenser:innen, hier meist Beduinen, zu vertreiben.

Keine Bewegungsfreiheit auf eigenem Land:
Im Westjordanland, einschließlich des besetzten Jerusalem, schränkt die israelische Besatzungsarmee weiterhin die Bewegungsfreiheit — ausschließlich — von Palästinenser:innen ein. Zusätzlich zu den 108 permanenten Militärcheckpoints richtete die Armee in dieser Woche 76 temporäre Militärkontrollpunkte ein & verhaftete willkürlich 5 Palästinenser:innen an diesen. Die meisten dieser neuen Checkpoints befanden sich in Al Khalil (Hebron, 35). Israelis sind von diesen Checkpoints nicht betroffen & dürfen sich in den besetzten Gebieten frei bewegen — teils auch auf eigenen Straßen, die nur sie benutzen dürfen, Palästinenser:innen jedoch nicht.

Im Jahr 2022 hat die Besatzungsarmee zusätzlich zu 108 permanten Militärcheckpoints bisher 623 temporäre Militärcheckpoints eingerichtet.

Siedlerangriffe auf palästinensische Zivilist:innen & ihr Eigentum: Am 06. März 2022 entwurzelten israelische Siedler im Dorf Kafr Ad Dik mindestens 150 Olivenbäume, beschädigten einen landwirtschaftlichen Nutzraum & stahlen 40 Olivensetzlinge. Ein enormer Schaden für palästinensische Olivenfarmer. Am selben Tag entwurzelten israelische Siedler 80 Olivensetzlinge im Dorf Duma, südöstlich von Nablus.

In diesem Jahr haben Siedler bisher 50 Angriffe auf Palästinenser:innen & deren Eigentum im Westjordanland verübt.

Freiluft Gefängnis Gaza

Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 15. Jahr in Folge an, mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Die Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf nicht exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollaboriertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit. Bis jetzt gibt Israel keinen Hinweis auf eine Lösung in der Zukunft, wodurch die Bevölkerung des Gazastreifens ihrer wirtschaftlichen, sozialen & kulturellen Rechte weiter beraubt wird. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten sind mehr als 62,2 % der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen.

Trotz im Mai 2021 verkündeter Waffenruhe: Die seit Jahren wöchentlichen Angriffe auf Gazas Fischer & Farmer blieben auch diese Woche nicht aus. 4 Mal eröffneten diese Woche Kanonenboote der israelischen Marine schweres Feuer auf Gazas Fischer. Die Fischer mussten zurück an die Küste fliehen & konnten folglich ihrer Arbeit nicht nachgehen. Es handelt sich um eine jahrelange Praxis Israels, durch die die Fischindustrie im durch die Blockade verarmten Gazastreifen weitgehend zusammengebrochen ist. 7 Mal feuerte die israelische Armee auf Farmer & Hirten im Gazastreifen.

Politische Gefangene

Fast 500 palästinensische Häftlinge in Administrativhaft in israelischen Besatzungsgefängnissen boykottieren seit 69 Tagen die israelischen Militärgerichte, um gegen ihre unbefristete Willkürhaft ohne Anklage, ohne Nennung von Gründen oder Beweisen & ohne Prozess zu protestieren. Noch dazu ist diese Haft beliebig oft ohne Nennung von Gründen verlängerbar.

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