181 Menschenrechtsverletzungen — Weekly Summary

Die Woche vom 22.-28.10.2020 in Palästina.

Exzessive Gewalt: Israelische Soldaten prügelten am Sonntagmorgen nahe Turmus Ayya den erst 18-jährigen Amer Abdulrahman Snobar mit ihren Gewehrkolben tot. Während die Armee nun bestreitet, den Teenager getötet zu haben, bestätigen sowohl ein Augenzeuge als auch der medizinische Bericht eindeutig das Gegenteil.

6 weitere pal. Zivilisten wurden diese Woche durch Soldat*innen im Westjordanland verletzt, die meisten von ihnen bei Protesten gegen Siedlungsbau & Besatzung in Kafr Qaddum, ein weiterer wurde durch scharfe Munition verwundet. Auch heute unterdrückte die isr. Armee gewaltsam Proteste gegen die Besatzung, genaue Zahlen über Verletzte sind noch nicht bekannt.

Etwa 102 mal fiel die Besatzungsarmee in pal. Ortschaften des besetzten Westjordanlandes ein, einschließlich des besetzten Jerusalem. Dabei wurden pal. 81 Zivilist*innen verhaftet, darunter 6 Kinder & 1 Frau. Unter den Verhafteten befindet sich auch der pal. Minister Walid Assaf (Leiter der Nationalen Kommission gegen die Annexionsmauer & Siedlungen). Er wurde an einem Militärcheckpoint nahe des besetzten Al Bireh festgenommen & seine offiziellen Dokumente konfisziert.

Hungerstreiker: Maher Al Akhras (49) befindet sich nun seit 96 Tagen im Hungerstreik. Sein Zustand ist lebensbedrohlich, er verliert immer wieder das Bewusstsein, teils für Stunden. Noch immer weigert sich die Besatzung, ihn aus der Administrativhaft (Willkürhaft ohne Nennung von Gründen & Ohne Anklage, s. Infografik) zu entlassen. Gestern lehnte ein isr. Gericht erneut den Antrag von Akras’ Anwalt ab, ihn zu entlassen oder zumindest in ein Krankenhaus im Westjordanland zu bringen. Seine Familie darf ihn wieder besuchen, nachdem sie ebenfalls mit einem Hungerstreik für ein Besuchsrecht gekämpft hatte. Unterstützt wurde sie dabei von dem israelisch-jüdischen Kommunisten Ofer Kesiv.

Besuch für den Hungerstreiker Maher Al Akhras in dieser Woche: Der pal. griechisch-orthodoxe Erzbischof Atallah Hanna sowie der Rabbi Hirsch mit einer Delegation der Organisation “Jews against Zionism”.
Seine 7-jährige Tochter Tula durfte er wieder in den Armee nehmen, nach das Besuchsverbot gekippt wurde.

Gaza: Erneut feuerte die israelische Armee diese Woche Schüsse auf landwirtschaftliches Land sowie auf ein Fischerboote vor Gazas Küste ab.

Hauszerstörungen: Die Besatzung hat 5 pal. Wohnhäuser in Jerusalem & ein weiteres im Bau befindliches Familienhaus in Jenin abgerissen. In den besetzten Ortschaften Hebron, Bethlehem & Salfit wurden mehrere Abriss- und Baustoppbescheide zugestellt. Die Besatzung zerstört systematisch pal. Wohnhäuser unter dem Vorwand, sie seien ohne Genehmigung gebaut worden. Gleichzeitig verweigert die Besatzung die Erteilung von Baugenehemigungen für Palästinenser*innen & lässt auch sonst keinen Ausbau pal. Wohnraumes zu. In Sur Baher im besetzten Jerusalem wurden unter einem Großaufgebot von Soldat*innen pal. Läden abgerissen.

In den Bergen südlich von Hebron zerstörte die Armee erneut ein sehr einfaches Wassernetz, das alle dort ansässigen pal. Gemeinden mit Wasser versorgt. Es ist eine der vielen Formen, mit denen Palästinenser*innen zu Gunsten von illegalen isr. Siedlungen von ihrem Land vertrieben werden sollen.

Außerdem zerstörten Siedler heute die simple Stromversorgung der pal. Dörfer Sawyah & Jalud südlich von Nablus. Die Bewohner*innen werden vorerst ohne ordnetliche Stromversorgung zurecht kommen müssen, denn eine neue wird die Besatzung ihnen nicht errichten.

Siedlergewalt: Auch diese Woche griffen Siedler mit Unterstützung isr. Soldat*innen pal. Farmer*innen während der Olivenernte an. Erneut wurden mehrere Olivenbäume — die wirtschaftliche Grundlage vieler Bauern — zerstört. In Salfit wurden 60 neue Olivenbäume von pal. Farmern gepflanzt, nachdem in der Woche zuvor von Siedlern ebenso viele zerstört wurden.

Keine Bewegungsfreiheit: Die Armee richtete 53 vorübergehende Militärkontrollpunkte im Westjordanland ein und verhaftete 7 palästinensische Zivilisten an diesen. Israelis sind von diesen Kontrollpunkten nicht betroffen.

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