178 Menschenrechtsverletzungen — Weekly Summary

Die Woche vom 15.-21.10.2020 in Palästina

89 Tage Hungerstreik — UN fordert sofortige Freilassung des Gefangenen Al Akhras | Soldaten verletzten & verhaften willkürlich pal. Zivilisten, Journalisten & Kinder, Unterdrücken jeden Protest |Bombenabwurf über Gaza | Hauszerstörungen & Vertreibung von Palästinenser*innen auch innerhalb Israels | Siedler greifen erneut pal. Bauern bei Olivenernte an | 85 neue Militärcheckpoints

Hungerstreiker: Seit 89 Tagen befindet sich Maher Al Akhras (49) im Hungerstreik gegen seine Administrativhaft (Willkürhaft ohne Nennung von Gründen & ohne Anklage, beliebig oft verlängerbar) & ist dem Tode nahe. Doch das beunruhigt die Besatzung nicht, im Gegenteil: Vor Ende seiner derzeitige Haftperiode am 26. November 2020 wird er nicht freigelassen, was de facto das Todesurteil für Al Akhras bedeutet.

Al Akhras hat die Hälfte seines Körpergewichts verloren, verliert immer wieder das Bewusstsein & die körperlichen Schmerzen sind kaum zu ertragen. Er kann nicht mehr stehen & hat Tinnitus entwickelt. Ärzte fürchten um sein Leben. Seine Ehefrau Taghreed & mehrere pal. Gefangene befinden sich aus Solidarität mit ihm ebenfalls im Hungerstreik. Palästinenser*innen im Westjordanland, Gaza & Palästinenser*innen in Israel mit isr. Staatsangehörigkeit fordern bei landesweiten Protest- & Soli-Aktionen Akhras sofortige Freilassung.

Hungerstreiker Maher Al-Akhras. Nach 89 Tagen Hungerstreik sind die körperlichen Schmerzen nahezu unerträglich.

“Ich mache eine schwere Zeit durch. Ich werde vor meiner Entscheidung nicht zurückschrecken. Ich entscheide mich dafür, entweder in Freiheit mit meinen Kindern zu sein oder im Namen ihrer verlogenen Gerechtigkeit getötet zu werden.”

Auch die UN schaltet sich nun ein & fordert Akhras’ Freilassung: “Administrativhaft ist ein Gräuel in jeder demokratischen Gesellschaft, die der Rechtsstaatlichkeit folgt”, so Michael Lynk, UN-Sonderberichterstatter für die besetzten Gebiete. “Wenn ein demokratischer Staat jemanden festnimmt und inhaftiert, ist er verpflichtet, die Person anzuklagen, ihre Beweise in einem offenen Prozess vorzulegen, eine vollständige Verteidigung zuzulassen und zu versuchen, eine unparteiische Justiz von ihren Anschuldigungen über jeden begründeten Zweifel hinweg zu überzeugen.”

Soldatengewalt: 5 palästinensische Zivilisten, darunter 2 Kinder & 1 Journalist wurden durch israelische Besatzungssoldaten verletzt. Auch heute wieder verletzten Soldat*innen Palästinenser*innen auf Demonstrationen gegen die Besatzung.

97 Mal überfielen isr. Soldat*innen Ortschaften im Westjordanland, einschließlich des besetzten Jerusalem. Dabei wurden 95 Zivilisten, darunter 8 Kinder, verhaftet.

Der 13järhige Tamer Issawi wurde diese Woche nachts von Soldat*innen verhaftet.

Gaza: 2 Mal eröffnete die isr. Armee das Feuer auf Farmland in Gaza & 2 Mal auf Fischerboote vor Gaza. Regelmäßig belästigen israelische Seestreitkräfte die Fischer Gazas, schießen auf sie, beschädigen ihre Boote & verhaften sie. Manchmal werden Fischer bei solchen Schussangriffen verletzt oder gar getötet. Zusätzlich verbietet Israel regelmäßig Booten den Zugang zum Wasser & reduziert die Fischereizone, zu der Palästinenser*innen Zugang haben. Gazas Fischindustrie ist so um 50% eingebrochen.
Israelische Kampfflugzeuge warfen darüber hinaus Bomben auf ein leeres Feld östlich von Deir Al Balah im zentralen Gazastreifen ab & versetzten mit dieser Drohgebärde erneut 2,2 Mio Menschen in Gaza in Angst.

Hauszerstörung: Erneut hat Israel pal. Wohneigentum zerstört , so Familien vertrieben & durch Zerstörung & Beschlagnahmung von Infrastruktur & Nutzfahrzeugen erneut Palästinenser*innen ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage beraubt. So wurde im besetzten Tubas ein pal. Wasserquelle zerstört & Baumaschinen sowie Lastwagen konfisziert. In Hebron, Jericho sowie Qalqilya wurden pal. Wohnungen sowie ein Supermarkt abgerissen. 
Israelische Behörden verteilten außerdem Abrissbescheide an 13 Häuser in Stadteil Silwan, Jerusalem, was bedeutet, dass 76 Palästinenser*innen nun von Obdachlosigkeit bedroht sind.
Auch in Israel, in der Stadt Lod, wurden jeweils am Montag & am Donnerstag ein palästinensisches Wohnhaus zerstört — nicht mal ein israelischer Pass bzw. Staatsangehörigkeit schützt vor Ungleichbehandlung & Vertreibung. Im Jahr 1948 wurde die Mehrzahl der pal. Bewohner*innen Lods von isr. Soldat*innen mit Waffengewalt vertrieben, etwa 50–70.000 Palästinenser*innen aus Lod verloren ihr Zuhause. Die wenigen Verbliebenen wurden jahrelang zu einem isolierten Leben hinter mit Stacheldraht abgezäunten Vierteln gezwungen, das sie ohne Erlaubnis isr. Behörden nicht verlassen durften.

Siedler-Angriffe: Besonders während der derzeitigen Olivenernte häufen sich die Angriffe von Siedlern auf Palästinenser*innen. Zahlreiche Olivenbäumen wurden von ihnen niedergebrannt oder abgeholzt. In Nablus leiteten sie die Abwässer ihrer illegalen Siedlung auf die Felder pal. Farmer.

Keine Bewegungsfreiheit: Die Besatzung errichtete 85 neue, vorübergehende Militärcheckpoints im Westjordanland & verhaftete 9 palästinensische Zivilisten an diesen Kontrollpunkten. Von diesen Checkpoints sind Israelis nicht betroffen.

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