1 getöteter Palästinenser, 4 israelische Bomben auf Gaza & die 210. Zerstörung des Dorfes Al Araqeeb

Israelische Kampfjets haben in der Nacht zu Sonntag vier Raketen auf zwei Ziele im seit 15 Jahren abgeriegelten Gazastreifen abgefeuert. Lokalen Quellen zufolge sollen dabei umliegende Wohngebäude leicht beschädigt worden sein, verletzt oder getötet wurde niemand. Laut israelischen Angaben sollen die Luftangriffe die Vergeltung für eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete gewesen sein, die am Samstagabend im Süden Israel auf freiem Feld eingeschlagen war, ohne Schaden anzurichten.

Laut israelischen Militärangaben hatten waren die Ziele des israelischen Bombardements eine vermeintliche Waffenfabrik & ein Tunnel der Hamas. Zu dem Raketenbeschuss auf Israel hat sich keine militante Widerstandsgruppe bekannt.

Infograpfic Nicht Trinkbar (Visualizing Palestine CC BY-NC-ND 4.0)

Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 16. Jahr in Folge an, mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Sie ist völkerrechtlich illegal & gilt als aktive Kriegshandlung. Die 2,2 Mio dort lebenden Menschen Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf fast nichts exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollabiertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit. Bis jetzt gibt Israel keinen Hinweis auf eine Lösung in der Zukunft, wodurch die Bevölkerung des Gazastreifens ihrer wirtschaftlichen, sozialen & kulturellen Rechte weiterhin beraubt wird. Zahlreiche Kranke warten zu lange oder gar vergeblich auf eine Erlaubnis zur Ausreise zwecks medizinischer Behandlung. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten sind mehr als 62,2 % der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen. Es gibt nahezu kein Trinkwasser. Laut der UN gilt der Gazastreifen aufgrund der Zustände als unbewohnbar.

Infograpfic Gazas Trinkwasser (Visualizing Palestine CC BY-NC-ND 4.0)

Der junge palästinensische Bäcker Omar Manna (22) wurde vergangene Nacht von israelischen Besatzungssoldat:innen erschossen, als diese das Flüchtlingslager Dheisha in Bethlehem, Westjordanland, überfielen.

Nicht nur in den offiziell besetzten Gebieten zeigte sich in den vergangenen Stunden der rassistische Charakter israelischer Politik: Das Dorf Al Araqib im Naqab (dt. Negev) in Israel wurde von den israelischen Behörden heute zum 210. Mal seit dem Jahr 2010 zerstört. Es handelt sich um ein Dorf, das von palästinensischen Beduinen bewohnt wird. Obwohl diese die israelische Staatsangehörigkeit besitzen, erkennt Israel ihre Dörfer & Gemeinden — älter als der Staat Israel selbst — nicht an. Seit Jahrzehnten versucht Israel die hier indigene Bevölkerung, die dort seit Jahrhunderten lebt, zu vertreiben zu Gunsten ausschließlich jüdischer Infrastrukturprojekte. Daher sind die Gemeinden nicht an Infrastruktur wie ein vernünftiges Verkehrs-, Strom- & Wasserversorgungsnetz angeschlossen, auch Schulen & Gesundheitsversorgung gibt es hier nicht. Die Dörfer des Naqab werden immer wieder zerstört, jedoch von den Einwohner:innen anschließend sofort wieder neu errichtet. Seit Jahren protestieren sie gegen die gewaltsamen Maßnahmen, die sie von ihrem Grund & Boden verjagen sollen.

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